
Das Schichtenmodell nach Brand bildet eine zentrale Grundlage im nachhaltigen Holzbau, da es Flexibilität und Langlebigkeit von Gebäuden anschaulich verdeutlicht und ein systemisches Denken in Aufbauten fördert. Im Vergleich zum konventionellen Mauerwerks- oder Betonbau weist die Hüllebene von Holzbauweisen – ob Holzrahmen- oder Holzmassivbau – eine meist größere Schichtanzahl auf. Diese Gliederung in Gebäudeschichten erleichtert den gezielten Austausch einzelner Materialien oder Teilaufbauten, ohne den gesamten Aufbau zu beeinträchtigen. Dies ermöglicht flexible, minimal-invasive Sanierungen und einfache Anpassungen an Nutzungsänderungen.
Die Integration des Schichtenmodells im Holzbau unterstützt den ressourcenschonenden Einsatz von Holz und fördert die Rückbauorientierung. Rückbaubare Schichten können entsprechend ihrer unterschiedlichen Lebensdauern gezielt entfernt oder ersetzt werden, was das Abfallaufkommen erheblich reduziert. Dadurch wird die Lebensdauer der verbleibenden Schichten, insbesondere der tragenden Konstruktion, maximiert.
Die folgende Darstellung zeigt das an den Holzbau adaptierte Schichtenmodell nach Brand, wie es in diesem Leitfaden entwickelt wurde.

Gebäudehülle / äußere Funktionsebene:
Die Gebäudehülle schützt die inneren Schichten und Nutzer:innen vor Witterungseinflüssen. Sie sollte demontierbar und austauschbar sein, ohne die tragende Ebene zu beeinträchtigen. Ihre Nutzungsdauer wird von Faktoren wie Material, Oberflächenbehandlung, Bewitterung und geografischer Lage beeinflusst. Um die Lebensdauer von Holzfassaden zu maximieren, sind ein abgestimmter Aufbau, UV-Schutz, Wartung und Planung entscheidend. Fachliteratur wie „Fassaden aus Holz“ (proHolz Austria) bietet dazu vertiefende Informationen. Geplante Wartungs- und Austauschintervalle ermöglichen zudem technische und optische Anpassungen der Hülle.
Tragende Ebene / Konstruktionsebene:
Diese Schicht umfasst die tragenden und aussteifenden Strukturen. Im Holzbau wird zwischen Holzleichtbauweise (HLB) und Holzmassivbauweise (HMB) unterschieden. Aufgrund ihrer zentralen lastabtragenden Funktion und des aufwendigen Rückbaus gilt diese Ebene als besonders erhaltenswert. Bei Schutz vor direkter Bewitterung weist sie die längste prognostizierte Nutzungsdauer auf.
Installationsebene / innere Funktionsebene:
Diese Ebene beinhaltet technische Installationen wie Elektro-, Sanitär- und Heizungssysteme. Sie sollte leicht zugänglich und austauschbar sein, um Wartung und Instandsetzung zu erleichtern und die Lebensdauer zu verlängern. Der Austausch ermöglicht eine Anpassung an den Stand der Technik, sollte jedoch hinsichtlich Ressourceneffizienz abgewogen werden. Die flexible Grundrissgestaltung („Space Plan“) ist in diese Ebene integriert und erleichtert zukünftige Nutzungsänderungen durch Anpassungen nichttragender Innenwände.