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Die Vision der Bundesregierung ist die Umgestaltung der österreichischen Wirtschaft und Gesellschaft in eine klimaneutrale, nachhaltige Kreislaufwirtschaft bis 2050. Das ermöglicht eine nachhaltige Entwicklung, die sowohl das Funktionieren unseres Öko­systems wie auch Lebensqualität und materiellen Wohlstand für uns und künftige Generationen sichert.

Das Bundesministerium für Klimaschutz hat dazu in Zusammenarbeit mit BMSGPK, BMAW und BML eine nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie erarbeitet, die am 7. Dezember 2022 vom Ministerrat beschlossen wurde.

 

Grundsätze

Die Umwandlung von einer linearen Wirtschaft zu einer Kreislaufwirtschaft erfordert einen drastisch veränderten Umgang mit unseren Ressourcen. Die österreichische Kreislaufwirtschaftsstrategie orientiert sich dabei an den in der Abbildung dargestellten Kreislaufwirtschaftsgrundsätzen (R-Grundsätze), die nach ihrer Relevanz geordnet sind. Eine vorrangige Maßnahme besteht darin, Systeme, Geschäftsmodelle, Dienstleistungen und Produkte von Anfang an ganzheitlich zirkulär zu gestalten („circular by design"), um so den Ressourcenverbrauch zu vermeiden oder zu reduzieren.




Ziele

Die Umstellung auf eine Kreislaufwirtschaft beinhaltet das Schließen von Ressourcenströmen in den Prozessen der Herstellung, des Vertriebs und des Verbrauchs. Dies führt zu einer erheblichen Reduzierung des Rohstoff- und Materialverbrauchs sowie der Abfallmengen und Umweltbelastungen. Die österreichische Kreislaufwirtschaftsstrategie leitet daraus die folgenden strategischen Ziele ab:

Ziel 1: Reduktion des Ressourcenverbrauchs

  • Material-Fußabdruck33 (MF) bis 2050 auf 7 Tonnen pro Kopf und Jahr senken

  • Inländischen Materialverbrauch34 (DMC) bis 2030 auf 14 Tonnen pro Kopf und Jahr senken.

Ziel 2: Steigerung der inländischen Ressourcenproduktivität um 50 % bis 2030

Ziel 3: Steigerung der Zirkularitätsrate auf 18 % bis 2030 (derzeit 12%)

Ziel 4: Reduktion des materiellen Konsums in privaten Haushalten um 10 % bis 2030


Quelle: BMK basierend auf Potting et al. (2017)

 

Maßnahmen

Um die Kreislaufwirtschaft in Österreich zu verwirklichen, müssen geeignete Bedingungen geschaffen werden, um eine umfassende und zügige Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft zu fördern. Derzeit bestehen zahlreiche Hindernisse, die dazu führen, dass nachhaltige zirkuläre Produkte und Dienstleistungen eher die Ausnahme als die Regel sind. Im Folgenden werden die übergeordneten Interventionsbereiche der österreichischen Kreislaufwirtschaftsstrategie auf sektor- und branchenübergreifender Ebene dargestellt:

 

1.       Rechtliche und regulatorische Rahmenbedingungen

  • Rechtliche Hindernisse beseitigen

  • Experimentierräume für Innovationen schaffen

  • Abfallrecht weiterentwickeln

  • Rechtlichen Rahmen für die „Sharing-Economy" schaffen

  • Normen und Standards für die Kreislaufwirtschaft entwickeln

  • Ökodesign Rechtsrahmen mitgestalten

  • Verwendung von Sekundärrohstoffen steigern

  • Konsument:innen-Rechte ausbauen

 

2.       Kluge Marktanreize

  • Fiskalische Instrumente nutzen

  • Zirkuläre Beschaffung ausbauen

  • Erweiterte Produzentenverantwortung etablieren

 

3.       Finanzierung und Förderung

  • Fördermittel für die Kreislaufwirtschaft nutzen

  • Marktverzerrungen ausgleichen

  • Sozialökonomische Betriebe in der Kreislaufwirtschaft stärken

  • Private Finanzierungen ausbauen

 

4.       Forschung, Technologieentwicklung und Innovation (FTI)

  • FTI-Initiative Kreislaufwirtschaft

  • Leit-, Pilot- & Demonstrationsvorhaben

  • EU FTI-Fördermittel zur Kreislaufwirtschaft

  • Sozialwissenschaftliche Forschung und soziale Investitionen fördern

 

5.       Digitalisierung

  • Industrie 4.0, IoT, KI

  • Digitale Produktpässe

  • Zirkuläre Geschäftsmodelle

  • Datenschutz & Cyber Security

 

6.       Information, Wissen und Zusammenarbeit

  • Unternehmenskompetenz stärken

  • Circularity Lab Austria aufbauen

  • Private Nachfrage stimulieren

  • Qualifizierungsbedarf bestimmen

  • Kreislaufwirtschaft ins Bildungssystem integrieren

  • Zusammenarbeit fördern

 

Zusammenfassung und Schlussworte

Die Branche "Bauwesen und Gebäude" beansprucht einen beträchtlichen Anteil der Ressourcen. Daher ist es von herausragender Bedeutung, ressourcenschonende und zirkuläre Bauweisen zu implementieren. Besonders in der Entwicklungsphase (Konzeption, Planung und Ausschreibung) werden wesentliche Weichen für die Lebensdauer von Gebäuden sowie die Recycling- und Wiederverwendungsmöglichkeiten der verwendeten Materialien gestellt. Hierbei fallen entscheidende Materialwahlentscheidungen an, die darauf abzielen, einen reduzierten materiellen und ökologischen Fußabdruck zu hinterlassen, etwa durch den Einsatz biogener Materialien wie Holz, Flachs oder Schafwolle.

Nur gemeinsam können die Weichen in Richtung Kreislaufwirtschaft gestellt werden. Das ist in vielen Punkten noch Neuland und muss erst zum Baustandard werden. Für größtmögliche Praktikabilität ist es nicht immer gefordert, sofort hundert Prozent Kreislauffähigkeit anzustreben, jeder Beitrag hilft die Transformation voranzutreiben. Dies ist einer der großen Vorteile eines allumfassenden Paradigmenwechsels.