Befehle des Menübands überspringen
Zum Hauptinhalt wechseln

Holzbau_Blog

:

Schnellstart

meta_wissen_holzbau > Holzbau_Blog > Beiträge > 3. Internationaler Holz[Bau]Physik-Kongress stellt wichtige Details in den Fokus
März 28
3. Internationaler Holz[Bau]Physik-Kongress stellt wichtige Details in den Fokus

Der 3. Internationale Holz[Bau]Physik-Kongress „Wärme Brand Schall“ am 08. und 09. März in Leipzig bot neueste Erkenntnissen aus Holzbau und der Bauphysik und gab erneut wichtige Antworten auf aktuelle baupraktische Herausforderungen. Mit über 275 Teilnehmenden war der vom Arbeitskreis Ökologischer Holzbau e.V. (AKÖH), dem Deutschem Holzfertigbau-Verband e.V. (DHV) und vielen Partnern aus Forschung und Wirtschaft veranstaltete Kongress ein großer Erfolg.

Das Themenspektrum erstreckte sich von der energetischen Gebäudesanierung mit außen- und innenseitiger Dämmung über Maßnahmen für ein angenehmes sommerliches Komfortklima bis zu konstruktiven Lösungen für den Brand- und Schallschutz im Holzbau. Für das anspruchsvolle Vortragsprogramm hatten die Veranstalter erneut 17 namhafte Referenten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz in Leipzig versammelt.


Die Holzfassade als wärmender Maßanzug für die Massivbauten vergangener Jahrzehnte, das war zunächst das Thema von Prof. Dr.-Ing. Stefan Winter (TU München). So bieten dreidimensionale Vermessungsverfahren, wie 3D-Laserscanning und Photogrammetrie, heute die Möglichkeit, die äußere Gebäudegeometrie sehr exakt und wirtschaftlich zu erfassen. Die auf dieser Datengrundlage erfolgte werkseitige Vorfertigung der Holztafelbauelemente gewährleistet eine passgenaue und zügige Montage der neuen, bauphysikalisch einwandfreien Gebäudehülle.
Doch nicht nur in Leipzig gibt es viele Häuser, beispielsweise aus der Gründerzeit, deren historische Fassaden zu erhalten sind und daher nur innen gedämmt werden können. Wie Robert Borsch-Laaks (Büro für Bauphysik, Aachen) deutlich machen konnte, lassen sich die bauphysikalischen Einflüsse von Innendämmungen gut berechnen. Bei der Wahl des richtigen Innendämmsystems und des richtigen Außenputzes zum Schlagregenschutz, braucht kein schädliches Auffeuchten der Wandkonstruktion befürchtet zu werden. Der Referent stellte sowohl individuelle Lösungen als auch Regelkonstruktionen vor, die sicher funktionieren.
Um eine Planungssicherheit bei der Anwendung von Innendämmungen zu ermöglichen, bedarf es allerdings zunächst detaillierter Materialdaten, wie etwa die kapillare Leitfähigkeit der eingesetzten Dämmmaterialien. Dr.-Ing. Hartwig M. Künzel (Fraunhofer IBP) stellte die Ergebnisse seiner Untersuchungen vor.
Dipl.-Ing. Daniel Kehl (Büro für Holzbau und Bauphysik, Leipzig) wiederum hat sich eingehend mit den vom Mauerwerk umschlossenen Holzbalkenköpfen beschäftigt und die Gründe für eine Schädigung durch Feuchte untersucht. Die aus verschiedenen Messprojekten zusammengetragenen Ergebnisse führten zu der Erkenntnis, dass in vielen Fällen ein fehlender Schlagregenschutz für eine zu hohe Feuchte innerhalb der Wand verantwortlich ist und so zur Zerstörung von Holzbalkenköpfen führt.
Dipl.-Ing. Paul Simons (BlowerDoor GmbH, Springe) berichtete von messtechnischen Langzeituntersuchungen an Fachwerkgebäuden in Nord- und Mitteldeutschland. Die Ergebnisse zeigten, dass Innendämmungsverfahren gewählt werden sollten, bei denen möglichst wenig Feuchtigkeit in die Konstruktion eingebracht wird, welche nur über sehr lange Zeiträume wieder austrocknen kann. Auf der Außenseite wiederum sollten die Gefachmaterialien den Schlagregen aufsaugen können, damit sich das Wasser nicht in den Fugen zwischen Gefach und Schwelle bzw. Riegel konzentriert.

Dipl.-Ing. Winfried Seidinger (Lemon Consult, Zürich) referierte zu dem Thema „Sommerliches Komfortklima im Holzbau“. Gestützt auf die Ergebnisse eines umfangreichen Messprojektes von acht bewohnten Holzhäusern in der Schweiz bescheinigte der Referent modernen Holzhäusern ein sehr angenehmes Raumklima. Entscheidenden positiven Einfluss hat der Nutzer selbst, indem er für eine ausreichende und rechtzeitige Verschattung und Lüftung der Räume sorgt.

Im Themenblock Brandschutz präsentierten Hanspeter Kolb (Berner Fachhochschule – AHB, Biel) und Dipl.-Ing. Reinhard Wiederkehr (Holzbau-Ingenieurbüro Makiol + Wiederkehr) eindrucksvolle gebaute mehrgeschossige Holzbauten bis sieben Geschosse in der Schweiz. Auf Basis eines umfangreichen Forschungsvorhabens und in enger Kooperation mit den kantonalen Feuerversicherungen sind im Laufe der letzten Jahre überzeugende Brandschutzkonzepte entwickelt worden, mit denen sich auch Mehrgeschosser in Holz architektonisch anspruchsvoll und wirtschaftlich umsetzen lassen.
Dipl.-Ing. René Stein (TU München) und DI Dr. Martin Teibinger (Holzforschung Austria, Wien) zeigten in ihren anschließenden Referaten die Wichtigkeit einer brandschutzsicheren Detailausbildung im Holzbau auf. So sind insbesondere verdeckt und schwer zugänglich liegende Details, wie etwa haustechnische Installationen und Knotenpunkte zwischen Wand und Decke, auf geeignete und sehr sorgfältige Weise auszuführen, um eine unvorhergesehene und unkontrollierte Brandausbreitung ausschließen zu können.

Dr.-Ing. Andreas Rabold (ift Rosenheim) präsentierte im ersten Vortrag zum Schallschutz unterschiedliche Lösungen zur schallschutztechnischen Ertüchtigung von Holzbalkendecken im Wohnungsbestand. Er stellte ein Prognosewerkzeug vor, mit dem sich das Potenzial unterschiedlicher Schallschutz-Maßnahmen bestimmen lässt. Dr. rer. nat. Jürgen Maack (ITA, Wiesbaden) machte im Anschluss auf die Notwendigkeit konstruktiver Maßnahmen zur Dämpfung tieffrequenter Schallwellen aufmerksam. Dipl.-Ing. Ernst-Ulrich Köhnke (Ingenieurbüro E.U. Köhnke GmbH, Uelsen) zeigte anhand zahlreicher Beispiele auf, wie sich typische Einbaufehler auf den Schallschutz auswirken und wie diese zu vermeiden sind.
Jeder der genannten Themenblöcke wurde durch spannende Podiumsdiskussionen ergänzt, die den Teilnehmenden die Möglichkeit boten, konkrete Nachfragen direkt und kompetent beantwortet zu bekommen.

Der 4. Internationale Holz[Bau]Physik-Kongress wird am 18. und 19. April 2013 in Mondsee (Österreich) von der Holzforschung Austria ausgerichtet. Auf der Internetseite www.holzbauphysik-kongress.eu können die stets aktualisierten Informationen eingesehen und die Tagungsbände aus den Jahren 2011 und 2012 bestellt werden.
 
3HBP-Kongress_2012_Bild_01_Auditorium_Referentenperspektive_Foto_Krawczyk.jpg

Mit über 275 Teilnehmenden war der Kongress ein großer Erfolg. Das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig erwies sich einmal mehr als sehr gut geeignete Tagungsstätte. Auf drei großen Leinwänden konnten die Präsentationen von jedem Platz aus gut verfolgt werden. (Foto: Krawczyk)
 
Weiteres Fotomaterial können Sie hier downloaden:
http://www.holzbauphysik-kongress.eu/pressematerial.html
 
Pressekontakt:
HOLZTEXTUR
DI (FH) Nikolai Krawczyk
Sonninstraße 6, 21339 Lüneburg
Tel./Fax: +49 4131 26 92 48

Kommentare

Zu diesem Beitrag sind keine Kommentare vorhanden.